Wie wir unser Gewissen rein kaufen

Von Lara Marie Müller und Louisa Schmidt

Der Klimawandel wird vermutlich die Zukunft unserer Kinder enorm erschweren. Aber wir unternehmen nichts, sondern tragen weiter zu ihm bei. Unser vermeintlich nachhaltiger Lebensstil reinigt nur unser Gewissen. Ein Bekenntnisprotokoll.

Die Erde erwärmt sich, das ist wissenschaftlich gesichert. Forscher gehen davon aus, dass der Klimawandel zu massiver Migration, Kriegen um Ressourcen und mehr Armut führen wird. Momentan entscheide sich anhand unseres Verhaltens, in welcher Zukunft unsere Kinder leben werden, sagte schon Uwe Schneidewind vor einigen Wochen in unserer Ringvorlesung. Und auch Niko Paech ist der Ansicht: Der Klimawandel ist das drängendste Problem unserer Zeit.

Und: Paech geht einen drastischen Schritt weiter. Er betont, dass neue, grüne Technologien nicht viel bringen. “Es gibt keine nachhaltigen Produkte”, sagt er. “Es gibt nur nachhaltige Lebensstile.” Weiterlesen „Wie wir unser Gewissen rein kaufen“

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„Der Kapitalismus delegitimiert sich selbst“

Von Louisa Schmidt

Soziale Ungleichheit gehört zum Kapitalismus wie der Tag zur Nacht – so zumindest argumentiert Mesut Bayraktar und holt die Theorien eines der größten Denker der Geschichte zurück in den Hörsaal 

Er ist wieder da: Karl Marx. Zumindest läuft der große Denker derzeit über die Leinwände deutscher Kinos, sein Hauptwerk das Kapital wird 150 Jahre alt, und in den Kommentarspalten vieler Zeitungen fragen sich Journalisten, ob die Theorien des Kapitalismuskritikers heute aktueller denn je sind. Dabei denken sie an die globale Finanzkrise, die „Verlierer der Globalisierung“, die Schere zwischen Arm und Reich.Wo Marx nicht ist: In den Hörsälen der meisten VWL-Vorlesungen. Denn angelsächsische Ökonomen belächeln Marx‘ Einfluss auf die Volkswirtschaftslehre in aller Regel. Zeit, ihn auch zurück an die Uni zu holen.
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Manchmal ist Ökonomie Kunst

Von Louisa Schmidt

Martin Hellwig glaubt an die klassischen Wirtschaftswissenschaften. Woran er nicht glaubt, sind Allheilmittel. Im Interview erklärt er, warum Ökonomie manchmal mehr Kunst als Wissenschaft ist

Er leitete die Monopolkommission, studierte am MIT, lehrte in Harvard, Bonn, Mannheim: Martin Hellwig ist sowohl in der akademischen Welt wie auch in der Politikberatung einer der renommiertesten deutschen Ökonomen. Bei seinem Vortrag während der Ringvorlesung diskutierte er, ob sein Fach Wissenschaft oder Ideologie ist – und ging dabei hart mit einigen Ökonomen ins Gericht. Seine wichtigsten Positionen im Interview.

Herr Hellwig, die ZEIT nannte Sie kürzlich den Bullshit-Detektor der Volkswirtschaftslehre. Was läuft falsch in den Wirtschaftswissenschaften?

Hellwig: Bullshit-Detektor würde ich nicht unbedingt sagen (lacht)… Richtig ist: Argumente über ökonomische Zusammenhänge sind oft zu oberflächlich. Viele, Ökonomen und Nicht-Ökonomen, machen oft scheinbar plausible Aussagen, die jedoch falsch sind, weil nicht genug auf die Systemzusammenhänge geachtet wurde bzw. wichtige Aspekte ausgeblendet wurden. Man argumentiert linear, Weiterlesen „Manchmal ist Ökonomie Kunst“