Ein bisschen mehr grundlegende Realität, bitte.

Von Lara Marie Müller

Haben Ökonomen eine gesellschaftliche Verantwortung? Wenn ja, wie sollten sie diese wahrnehmen?

„Ich wollte die Welt verbessern. Ich dachte: Am Besten kann man das mit der VWL.“ Das sagt Christian Kastrop. Der Mann mit den grauen Locken und wachem Blick lächelt ein wenig wehmütig. Er hat eine Karriere als Politikberater hingelegt. Heute arbeitet er als wirtschaftlicher Berater bei der OECD. Ob er da die Welt besser macht? Sein Blick legt nahe, dass er sich nicht so sicher ist. Er sitzt auf dem Podium bei der letzten Veranstaltung der Ringvorlesung. Heute geht es um keine spezifische Wirtschaftstheorie sondern um die Frage, was VWLer generell erreichen können und sollten. Neben Kastrop sitzen Felix Bierbrauer – Prof an der Uni Köln -, Philipp Markus – Student an der Uni Köln – und Lukas Beckmann – Mitgründer der Partei die Grünen – auf dem Podium. Weiterlesen „Ein bisschen mehr grundlegende Realität, bitte.“

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Das BIP diskriminiert mich *heul*

Von Lara Marie Müller

Ja, ok, ich geb’s zu: Die Aussage in der Überschrift ist zugespitzt. Das BIP – also das Bruttoinlandsprodukt – kann niemanden diskriminieren, auch mich nicht, denn es ist bloß eine Zahl. Es misst die Produktivität eines Landes. Aber es wird als Indikator für die Entwicklung eines Landes verwendet. Und das ist sehr wohl diskriminierend. Und zwar nicht nur für mich.

Das BIP wird sehr oft herangezogen, um den wirtschaftlichen Erfolg Deutschlands zu belegen. Genauso beliebt ist es im Vergleich der Wirtschaftsstärke verschiedener Länder. Dabei misst es nur gewisse Dinge und lässt andere, die auch Einfluss auf die Wirtschaft haben, komplett außer Acht. In der letzten Ringvorlesung hat Hans Diefenbacher erklärt, warum das BIP für die Messung von Wohlfahrt nicht geeignet ist. Er kritisierte es umfassend und zeigte auch: Es ist blind für sehr viele Dinge die mich ausmachen.

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Steigt das BIP, obwohl es uns nicht besser geht?

Von Lara Marie Müller

Hans Diefenbacher errechnet mit dem Nationalen Wohlfahrtsindex (NWI) eine Alternative zum Bruttoinlandsprodukt (BIP). Obwohl das BIP in den letzten Jahren stieg, blieb der NWI ungefähr gleich. Was ist da los?

„Das Bruttoinlandsprodukt ist als Wohlfahrtsmaß nicht so gut geeignet“, sagt der kleine, grauhaarige und gewitzt aussehende Mann vorne im Hörsaal. Hans Diefenbacher lächelt bescheiden, denn seine Aussage ist viel zu vorsichtig. Der Professor ist an die Uni Köln gekommen, um seinen eigenen Wohlfahrtsindex vorzustellen. Die Argumente, die er gegen das Bruttoinlandsprodukt (BIP) als Wohlfahrtsmaß anbringt, sind ziemlich vernichtend.

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Warum die Wirtschaftswissenschaften selbstbewusster werden sollten

Von Lara Marie Müller

Laut Carsten Hermann-Pillath haben die Wirtschaftswissenschaften einen kaum betrachteten, eigenen Einfluss auf unser Wirtschaftssystem. Er versucht, sie ihrer Wirkung auf sich selbst bewusst zu machen.

Was passiert, wenn man auf einen anderen Kontinent einen Samen einer Pflanze bringt, den es dort nicht gibt? Wenn die Bedingungen stimmen, dann wächst sie. Wenn es sehr gut für die läuft, dann breitet sich aus und kann sogar Einfluss auf das Ökosystem gewinnen. Andere Pflanzen werden möglicherweise verdrängt. Sie entwickelt sie sich über die Jahre hinweg weiter und passt sich optimal an den neuen Kontinent an. Am Ende kann auf dem neuen Kontinent sogar eine Pflanze stehen, die es vorher in der Form nicht gab.

Laut dem Ökonom und Sinologen Carsten Hermann-Pillath gibt es einen ähnlichen Prozess innerhalb der Wirtschaftswissenschaften. Er sagt: Wenn wir unser Wirtschaftssystem beschreiben, müssen wir dabei den Einfluss der Wirtschaftswissenschaften auf die Wirtschaft in die Betrachtung mit einbeziehen. Das macht er durch seine kritische Institutionenökonomik.

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Bastelt da wer an meinem Weltbild?

Von Lara Marie Müller

Studenten, die eine volkswirtschaftliche Vorlesung besucht haben, könnten von ihr unterbewusst beeinflusst werden. In weit verbreiteten Lehrbüchern befinden sich Inhalte, die das Weltbild ihrer Leser unbemerkt verändern können.

Pizza oder Salat zum Mittagessen? Gebe ich dem Bettler vor dem Supermarkt ein paar Euro ab? Welche Partei soll ich wählen? Das Leben stellt uns am laufenden Band vor kleine und große Entscheidungen. Warum wir aber gerade so entscheiden, wie wir entscheiden, können wir bei der Vielzahl an Möglichkeiten nur selten hinterfragen. „80 bis 95 Prozent unseres Denk- und Entscheidungsprozesses laufen im Unbewussten ab“, betont die Ökonomin und Philosophin Silja Graupe. Sie ist an die Uni Köln gekommen, um die Studenten aber zu genau dazu anzuregen: Sie sollen hinterfragen, welche Werte und welches Weltbild ihren Entscheidungen zu Grunde liegen.

Graupe ist das wichtig, weil sie mit ihren Kollegen an der Cusanus Hochschule erschreckende Forschungsergebnisse erzielt hat. Weiterlesen „Bastelt da wer an meinem Weltbild?“